
Der Vorstand von owl maschinenbau im Jubiläumsjahr
Der Verein owl maschinenbau ist 20 Jahre alt geworden. Unternehmen und Experten aus dem Maschinenbau zu vernetzen, um Wissen und Kenntnisse zu teilen, ist bis heute die Motivation des Netzwerks. Über all dem steht das Ziel, neue Ideen und Innovationen entstehen zu lassen. Eine Erfolgsgeschichte.
Almut Rademacher hat ihren Traumjob gefunden. Das wird einem deutlich, wenn man sich mit ihr unterhält. Voller Begeisterung und Freude erzählt die Geschäftsführerin des Vereins owl maschinenbau von ihrer Arbeit, die ihr ungeheuer viel Spaß mache. Im Netzwerk zu arbeiten und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die den Unternehmen und letztendlich der Region zugutekommen, das sei es, was sie besonders reize.

Almut Rademacher, Geschäftsführerin von owl maschinenbau (Alle Fotos: owl maschinenbau)
„Der Wissens- und Erfahrungsaustausch ist das Herzstück unseres Netzwerks der Kompetenzen. Alle Mitglieder des Vereins sind Experten in den unterschiedlichsten Fachgebieten und alle haben spannendes Wissen zu vermitteln“, freut sich die junge Frau, die seit 2018 den Verein führt. „Ich war damals noch keine 30 Jahre alt. Man hat mir sehr viel Vertrauen geschenkt. Das bedeutet mir bis heute enorm viel. Ich habe einen großartigen Vorstand, der mir den Rücken stärkt“, sagt Almut Rademacher ein wenig stolz. Es läuft rund im Verein, der mit knapp 240 Unternehmen die höchste Zahl an Mitgliedern seit der Gründung vor genau 20 Jahren verzeichnen kann.
Die Initiative, einen Verein ins Leben zu rufen, ging von 13 Unternehmen der Region aus. Das Maschinenbaucluster in Ostwestfalen-Lippe im vorwettbewerblichen Bereich näher zusammenzubringen, war die Motivation der Gründer. Es sollte eine Kooperationskultur, eine Kultur der Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft, und damit eine gemeinsame Kultur für Innovationen entstehen.
Bis heute haben sich zahlreiche namhafte Unternehmen der Initiative angeschlossen. Die meisten sind produzierende Betriebe, gefolgt von Zulieferern und wissenschaftlichen Institutionen. Mitmachen kann jedes Unternehmen – Konzerne, kleine und mittelständische Unternehmen sowie Startups.
Sie schätzen den vertrauensvollen Austausch und die gemeinsame Diskussion über die Themen, die ihren Alltag bestimmen und deren Bewältigung oftmals größere Herausforderungen darstellen. Nicht selten entspringen aus dem gemeinsamen Besprechen und der Kooperation innovative Lösungen, die einen unschätzbaren Mehrwert für das eigene Unternehmen und ganz Ostwestfalen-Lippe generieren, weiß Geschäftsführerin Rademacher: „Hier geht es um Technik, Digitalisierung, Personal, Nachhaltigkeit oder auch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle.“ Wobei sie und ihr Team auch die großen Makro-Trends im Blick haben, um die Mitglieder von außen für die neuen Themen zu inspirieren und so Innovationen voranzutreiben. Rademacher denkt da zum Beispiel an die Circular Economy, die ganz neue Businessmodelle ermöglicht. Auch die Fachkräftesicherung liegt ihr am Herzen. In einer ländlich geprägten Region sei es schwieriger, Menschen von außerhalb für den Standort OWL zu begeistern. Sie plädiert für mehr Sichtbarkeit, ist aber auch überzeugt, dass es hier schon einige gute Ergebnisse gibt. Der alljährliche Gemeinschaftsstand auf der Hannover Messe sei ein positives Beispiel. „Wir schaffen es nur gemeinsam, stärker zu werden.“
Zusätzliche Impulse zur Bewältigung des Fachkräftemangels hat der Verein mit der Entwicklung zahlreicher Arbeitsgruppen, Mentoringprogramme und der Initiierung gemeinsamer Projektarbeit gesetzt. Wobei die Förderung von Bildung und Fachkräften in den MINT-Berufen besonders forciert wird. Durch Initiativen wie „experiMINT“ und „MINT-Mentoring” wurde der Kontakt zwischen Unternehmen und Schülerinnen sowie Studierenden in den naturwissenschaftlich-technischen Bereichen gefördert, um die Fachkräfteentwicklung in produzierenden Unternehmen zu unterstützen. Das Netzwerk hat auch Bildungsaktionen wie die BINGO-Aktionstage organisiert, bei denen Schülerinnen und Schüler die Vielfalt der Berufe im Maschinenbau kennenlernen konnten.
20 Jahre Netzwerkarbeit haben Spuren hinterlassen
owl maschinenbau arbeitet seit Jahren intensiv mit den verschiedenen regionalen Forschungseinrichtungen zusammen, um Unternehmen den Zugang zu neuen Kontakten und Technologien zu verschaffen, von denen sie konkret in der Praxis profitieren können. „Wir möchten die Innovationsstärke der Unternehmen steigern. Das gelingt durch Kooperationen und Netzwerke“, so Almut Rademacher. Wichtige Partner sind u. a. das Fraunhofer-Institut IEM, das Fraunhofer IOSB-INA oder das Centrum Industrial IT (CIIT) in Lemgo.
Die 20 Jahre Netzwerkarbeit haben Spuren hinterlassen, die nachhaltig in der Region und darüber hinaus ihre Wirkung zeigen. Die regionalen Initiativen wie das Spitzencluster it`s owl, das weit über OWL hinaus seine Strahlkraft zeigt, ist auch dem Engagement von owl maschinenbau zu verdanken. Das gilt auch für die FMB Fachmesse für Maschinenbau und das Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik (IEM) in Paderborn, für dessen Gründung sich der Verein starkgemacht hat.
Wenn man mit Mitgliedern spricht, hört man viel Positives. owl maschinenbau biete eine sehr gute Möglichkeit für den unternehmensübergreifenden Austausch. „Durch die Zusammenführung unterschiedlicher Unternehmen aus OWL ist ein guter Rahmen geschaffen, sich untereinander zu vernetzen und Gedanken auszutauschen”, sagt Jörg Becker, Geschäftsführer Becker Sondermaschinenbau.
Auch vonseiten der Forschung wird der Nutzen des Vereins gelobt, wie Prof. Dr.-Ing. Ansgar Trächtler, Institutsleiter Fraunhofer IEM, betont: „Als anwendungsorientiertes Forschungsinstitut ist uns die Vernetzung mit Unternehmen der Region sehr wichtig. owl maschinenbau fungiert dabei als Brückenbauer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Über das Netzwerk erhalten wir Zugang zu konkreten Anforderungen aus dem Maschinen- und Anlagenbau und können so die Anwendbarkeit unserer Forschungsarbeit in der Praxis sicherstellen.”
Almut Rademacher blickt optimistisch in die Zukunft: „Unsere Vereins-Idee war und ist richtig. Vernetzung und Kollaboration sind Schlüssel für den innovativen Erfolg deutscher Unternehmen. Das belegt auch eine Studie der Bertelsmann Stiftung, die zeigt, dass Firmen, die sich aktiv in Unternehmensnetzwerken engagieren und ihre Innovationsbemühungen durch Kooperationen stärken, besser positioniert sind, um den Herausforderungen der globalen Wirtschaft gerecht zu werden.“
Und was wünscht sich die Netzwerkerin für die kommenden Jahre? „Wir müssen unseren Weg weitergehen, mutig bleiben und die Neugier behalten, Dinge auszuprobieren. Das bedeutet auch, Fehler zu machen, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. Es ist ein Trugschluss, dass eine Null-Fehler-Kultur ein erstrebenswertes Ziel ist.“
Zum Jubiläum ist auch ein Podcast entstanden, der auf der Webseite bereitsteht: https://www.owl-maschinenbau.de/20jahre/podcast/