
Die kompakte Arbeits- und Netzwerkmesse bietet viel Raum für Gespräche und fachlichen Austausch. (Foto: mawi)
Die KUTENO – Kunststofftechnik Nord setzt thematisch einen starken Impuls. Im A2 Forum in Rheda-Wiedenbrück steht vom 7. bis 9. September die Circular Economy im Mittelpunkt.
Messerveranstalter Horst Rudolph ist es erneut gelungen, neue Aussteller und etablierte Unternehmen für eine Teilnahme an der kompakten und inhaltsgesteuerten Arbeits- und Netzwerkmesse zu gewinnen. „Alle relevanten Produktgruppen sind vertreten, so dass die Fachbesucher die gesamte Prozesskette der kunststoffverarbeitenden Industrie geboten bekommen“, zieht Rudolph ein positives Fazit. Erfreut zeigt er sich über den neuen Messeschwerpunkt Circular Economy.
„Unser Anliegen ist es, darzustellen, wie Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz in der Kunststoffverarbeitung funktionieren kann. Die Messe ist eine ideale Plattform, um die vielfältigen Ziele rund um die Wiederverwertbarkeit von Kunststoff direkt in den Markt zu kommunizieren“, so Rudolph.
Dabei gehe es darum, diesen hochwertigen Werkstoff darzustellen und deutlich zu machen, dass er ressourcenschonend behandelt und verarbeitet werden müsse.
Messeschwerpunkt Kreislaufwirtschaft
Der Werkstoff Kunststoff ist am Ende seines Lebenszyklus zum Wegwerfen viel zu schade. Eine steigende Quote von Kunststoffabfällen, die recycelt werden, weist den Weg in Richtung abfallfreier Produktzyklen. Die Transformation vom heute noch weitgehend linearen System hin zu einer echten Kreislaufführung fordert die Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Kunststoffindustrie zu Innovationen auf.
Kunststoffe sind vielseitig: Ihr geringes Gewicht macht sie unersetzlich für ressourceneffiziente Produkte. Und die Kunststoffproduktion wächst stetig. Fast 370 Millionen Tonnen Kunststoffe wurden im Jahr 2019 weltweit produziert. Doch Kunststoff wird oftmals kaum geschätzt, zu viele Kunststoffe landen am Ende ihres Lebensweges in der Verbrennung oder in Ozeanen. Kunststoff ist zu wertvoll, um ihm nur einen negativen Stempel aufzudrücken. Die Kunststoffwirtschaft muss zirkulär werden: Das heißt, Ressourcen so lange wie möglich wiederzuverwenden und so im Kreislauf zu halten, Abfallprodukte zu vermeiden, Produkte möglichst lange zu nutzen und Materialien und Produkte am Ende ihres Lebenszyklus wiederzuverwerten. Zum Zyklus gehört ebenso eine ressourcenschonende Produktion und Verarbeitung der Rohstoffe. Ein komplexer Prozess, der viele Akteure entlang der Wertschöpfungskette fordert.
Die Chancen dafür stehen gut, denn Klimaschutz und Ressourcenschonung werden weltweit diskutiert. Für die technische Umsetzung stehen Anbieter von Rohstoffen und Verarbeitungstechniken bereit, um Rezyklate in hoher Qualität anzubieten und daraus mit geeigneten Verarbeitungsverfahren Produkte aus Kunststoff material- und energieeffizient herzustellen. Europäische Unternehmen können dabei beim Thema Recycling mit den vorhandenen Technologien eine gute Basis zur Weiterentwicklung vorweisen.
In der kunststoffverarbeitenden Industrie wird die Nachfrage nach Rezyklaten und nach Technologien, um diese möglichst material- und energieeffizient zu verarbeiten, weiter steigen. Der ökologische Fußabdruck von Kunststoffprodukten wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen. Je früher sich die Unternehmen auf eine echte Circular Economy einstellen, desto positiver wird sich das auf deren Wettbewerbsfähigkeit auswirken.
Vortragsforum und Special Area bieten ganzheitlichen Überblick

Klaus Meyer, Geschäftsführer von Energie Impuls OWL und Sprecher von CirQuality OWL: „Wir zeigen Lösungsvorschläge und schauen, welche Hürden wir noch überwinden müssen, um dem Ziel eines einhundert prozentigen Kreislaufs näher zu kommen.“
„Im Vortragsprogramm der KUTENO 2021 wollen wir das Thema Circular Economy ganzheitlich präsentieren und alle Aussteller zur Diskussion einladen. Wir zeigen Fachleuten aus Produktion und Vertrieb Lösungsvorschläge und Best Practice-Beispiele auf und schauen, welche Probleme und Hürden wir noch überwinden müssen, um dem Ziel eines einhundert prozentigen Kreislaufs näher zu kommen“, sagt Klaus Meyer, Geschäftsführer von Energie Impuls OWL und Sprecher von CirQuality OWL. „In einer Special Area Circular Economy zeigen Unternehmen, Initiativen und wissenschaftliche Einrichtungen zusätzlich, wie Nachhaltigkeit in der Kunststoffverarbeitung funktionieren kann – mit welchen Materialien, Anlagen und Maschinen, Logistikpartnern und Technologien sowie mit welchen Produkten, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen.“
Der weltweit tätige Spritzgussmaschinenbauer ENGEL zeigt in seinem Vortrag beispielsweise innovative Verfahren zur Rezyklatanwendung. Dass nachhaltiges Produzieren nicht nur ein Trend ist, sondern sich in fast allen Branchen nicht nur aufgrund von Ressourcenknappheit, sondern auch wegen der umfangreichen EU-Gesetzgebungen aus dem Green Deal zu einer wirtschaftlichen Notwendigkeit entwickelt, legt Rechtsanwalt und Umweltrechtler Gregor Franßen dar.
Neben weiteren innovativen Recycling-Verfahren sowie Anforderungen an den Einsatz von Regranulaten werden im Vortragsforum auch die Materialauswahl und Konstruktionsweise beleuchtet, um eine Wiederverwertbarkeit der Komponenten nach Ende der Nutzungszeit sicherzustellen. Genauso die Herausforderung, den CO2-Footprint der energieintensiven Behandlung von Kunststoffen immer weiter zu reduzieren, indem Bearbeitungsprozesse optimiert werden.
Die Digitalisierung ist natürlich auch ein Treiber der Circular Economy, wie nicht nur die cirplus GmbH aus Hamburg in ihrem Vortrag zeigen wird, die einen B2B-Online-Marktplatz für Rezyklate und Kunststoffabfälle entwickelt hat.
CirQuality OWL vernetzt die Akteure
„Mit unserem regionalen Projekt CirQuality OWL wollen wir die Kompetenzen der Menschen in den Unternehmen für Circular Economy stärken, die Akteure in Ostwestfalen-Lippe für die neuen Chancen und Möglichkeiten befähigen und zusammenführen – und das nicht nur in der Kunststoffindustrie“, so Klaus Meyer. Hunderte von Unternehmen in OWL beteiligen sich bereits an den Qualifizierungs- und Austauschformaten zur Circular Economy.
Für das Projektkonsortium, bestehend aus den fünf Innovationsnetzwerken Energie Impuls OWL, owl maschinenbau, FPI Food Processing Initiative, InnoZent OWL und ZIG – Zentrum für Innovation in der Gesundheitswirtschaft OWL sowie VDI OWL und Fachhochschule Bielefeld, steht seit 2018 die Circular Economy-Strategie für OWL im Zentrum der Arbeit an der Schnittstelle zwischen Forschung, Gesellschaft und Markt. In dieser OWL-Versuchsküche aus Mut, Initiative und interdisziplinärer Kooperation finden Unternehmen den Resonanzraum für die unternehmerische Umsetzung von Zukunftslösungen.
Weitere Informationen: www.cirqualityowl.de und kuteno.de
Das KUTENO-Vortragsprogramm zur Circular Economy:
Dienstag, 7. September 2021:
13:30 – 14:00 | „100 %iger Kreislauf – Welche Chancen bietet eine Circular Economy für die Kunststoffindustrie?“ | Diskussionsrunde |
14:00 – 14:30 | „Der CO2-Werkzeugpass: Nachhaltigkeit im Werkzeugbau“ | Dr. Christoph Kelzenberg, WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH |
14:30 – 15:00 | „Kunststoffkreisläufe schließen; Ressourceneffizienz steigern” | Tobias Frerichs, VDI Zentrum Ressourceneffizienz |
15:00 – 15:30 | „Digitale Revolution oder Hype? Wie Digitalisierung ein echter Treiber der Kreislaufwirtschaft werden kann“ | N.N., cirplus GmbH |
15:30 – 16:00 | „Wildplastic – Die Konvertierung von ocean bound plastic waste zu industrie- und marktgängigen Produkten“ | Dieter Gottschalk, WILDPLASTIC |
16:00 – 16:30 | „Agieren statt reagieren – Blick auf Gesetzesvorhaben“ | Gregor Franßen, Kopp-Assenmacher & Nusser Partnerschaft von Rechtsanwälten mbB |
Mittwoch, 8. September 2021:
13:30 – 14:00 | „Produktzyklus ohne Abfall – Welche Anforderungen müssen Rezyklate erfüllen?“ | Diskussionsrunde |
14:00 – 14:30 | „Kunststoff-Flakes durch zwei-Stufen-Prozess direkt verarbeiten“ | Dr. Klaus Fellner, ENGEL Austria GmbH |
14:30 – 15:00 | „Ressourceneffizienz als Wettbewerbsvorteil – Material Management at it´s best! Fehler vermeiden und Kosten einsparen.“ | Ralf Ackermann, Freeleaves GmbH |
15:00 – 15:30 | „Produktion von 100% PCR Regranulaten bei der FVH Schwerin“ | Jochen Ebbing, Lobbe Industrieservice GmbH & Co. KG |
15:30 – 16:00 | „Treibhausgas-Bilanz erstellen mit ecockpit“ | Artjom Hahn, Effizienz-Agentur NRW |
16:00 – 16:30 | „Circular Economy im Werkzeugbau – Mit Digitalisierung zu einer nachhaltigen Fertigung?!“ | Rainer Horstkotte, WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH |