Sie gehören zu den drei innovativsten Unternehmen in Westfalen und belegen im mawiInnovationsranking 2017 die ersten drei Plätze. Grundlage für die Bewertung waren die in 2017 veröffentlichten Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen beim Deutschen Patentamt in München.
Das Besondere: Die drei bestplatzierten Unternehmen aus den vergangenen drei Jahren haben auch in 2017 ihre Positionen behalten, so dass Miele & Cie. KG, Gütersloh, zum vierten Mal auf Platz eins und das Blomberger Unternehmen Phoenix Contact GmbH & Co. KG auf Platz zwei stehen. HELLA KGaA Hueck & Co. mit Sitz in Lippstadt nimmt weiterhin den dritten Platz ein. In unserem Kreisranking gab es ebenfalls keine Veränderung gegenüber dem Vorjahr: Der Kreis Gütersloh verteidigte erneut seinen ersten Platz. Weitere Platzierungen finden Sie in unserem Ranking. Alle Zahlen aus dem Unternehmensranking stehen unten auf dieser Seite.
Für die Entwicklung neuer Produkte und den Erhalt der eigenen Innovationsstärke und Wettbewerbsfähigkeit gewinnt die Digitalisierung eine zunehmend wichtige Bedeutung. Lesen Sie, wie die Unternehmen auf die neuen Technologien und die Schaffung digitaler Angebote reagieren wollen.
Platz 1: Miele & Cie. KG
„Die Digitalisierung beschleunigt Innovationen“

Dr. Markus Miele, Geschäftsführender Gesellschafter Miele & Cie. KG
Foto: Frauke Schumann Fotografie
Hat sich durch die Digitalisierung auch Ihr Innovationsmanagement verändert?
Die Digitalisierung hat große Auswirkungen auf die Ausrichtung des Unternehmens und beschleunigt Innovationen. Das gilt für unsere vernetzungsfähigen Hausgeräte, wirkt sich aber auch auf Produktion, Forschung und Entwicklung sowie Logistik und Vertrieb aus. Um die Chancen, die die Digitalisierung bietet, besser nutzen zu können, haben wir mit Blick auf die Produkte den Geschäftsbereich Smart Home gegründet. Dieser Geschäftsbereich arbeitet parallel auf verschiedenen Handlungsfeldern. Dazu zählen etwa die Strategieentwicklung, die Früherkennung von Trends und Technologien oder auch die Kooperation mit Plattformen, Forschungseinrichtungen und Start-ups.
Ist für Sie die Digitalisierung ein Innovationstreiber und Innovationsbeschleuniger?
In den Produktionsstandorten treiben wir Industrie-4.0-Anwendungen voran. Unternehmensweit existieren mehr als 30 Pilotprojekte in den Werken. Beispiele dafür sind fahrerlose Transportsysteme, Werker-Assistenzsysteme, vorausschauende Maschinenwartung, künstliche Intelligenz oder auch kollaborierende Roboter. Einige dieser Projekte haben sich bereits bewährt, so dass die gewonnenen Erkenntnisse und Anwendungen jetzt auf Produktionsbereiche an anderen Standorten übertragen werden. Beispiele dafür sind kollaborierende Roboter, die Seite an Seite mit dem Menschen arbeiten und ihm schwere Tätigkeiten abnehmen. Bewährt hat sich auch ein Werker-Assistenzsystem. In unserer Dampfgarerproduktion in Bünde fertigen wir aktuell rund 350 Varianten, zukünftig werden es mehr als 700 sein. Eine Hilfe sind hier Tablets, auf denen unsere Werker die einzelnen Montageschritte nachvollziehen können und etwa angezeigt bekommen, wo ein Steckkontakt bei einer spezifischen Modellvariante gesetzt werden muss. Da sich dieses Assistenzsystem bewährt hat, wollen wir es auf vergleichbare Produktionsbereiche übertragen.
Industrie-4.0-Anwendungen werden die Wertschöpfung zukünftig verändern. In vielen Fällen werden sie zu Effizienzsteigerungen beitragen und steigern so natürlich auch die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.
Platz 2: Phoenix Contact GmbH & Co. KG
„Nicht zu Getriebenen werden“

Angela Josephs, Pressesprecherin und Leiterin Presse und Öffentlichkeitsarbeit Phoenix Contact GmbH & Co. KG, Blomberg. Foto: Phoenix Contact
Hat sich durch die Digitalisierung auch Ihr Innovationsmanagement verändert?
Das kann ich so ultimativ nicht beantworten, da die Digitalisierung ein fortwährender Prozess ist, der sich step by step vollzieht. Sicherlich wird auch das Innovationsmanagement im Zuge des grundlegenden Wandels von Prozessen als auch dem Steuern und Führen sich verändern.
Ist für Sie die Digitalisierung ein Innovationstreiber und Innovationsbeschleuniger?
Ja, das ist es. Allein durch die hohe Dynamik der technologischen Weiterentwicklung, die derzeit viel höher und größer ist als je zuvor. Insofern sind wir als Zulieferer vieler Industrien berufen, Lösungen für neue technische Anforderungen schneller zu entwickeln und zur Marktreife zu bringen. Aber, bevor wir zu Getriebenen werden, versuchen wir mittels entsprechender Experten zu analysieren, welche Entwicklungen und Technologien sich ausprägen werden, um frühzeitig mit der Entwicklung von innovativen Produkten und Systemen zu starten.
Platz 3: HELLA GmbH & Co. KGaA
„Wir müssen uns trauen, mit herkömmlichen Sichtweisen zu brechen“

Dr. Markus Richter, Unternehmenssprecher HELLA GmbH & Co. KGaA. Foto: Hella
Hat sich durch die Digitalisierung auch Ihr Innovationsmanagement verändert?
Absolut. Denn durch Digitalisierung verändern sich nicht nur bestehende Geschäftsmodelle, auch die Innovationsdynamik in der Automobilbranche nimmt rasant zu. Für uns ist es daher wichtig, unsere Forschungs- und Entwicklungsprozesse konsequent um neue Methoden des Innovationsmanagements zu erweitern. Wir müssen beispielsweise noch schneller werden, sprich unsere Agilität weiter erhöhen. Dies ist auch eine kulturelle Frage: Wir müssen uns trauen, wenn nötig mit herkömmlichen Sichtweisen zu brechen und Geschäftsmodelle neu zu denken. Das bedeutet auch, dass wir uns nicht scheuen dürfen, vieles auszuprobieren, auch auf die Gefahr hin, dass nicht jede gute Idee am Ende erfolgreich sein wird. Um diese neuen Instrumente des Innovationsmanagements zu forcieren, haben wir beispielsweise unsere Aktivitäten im Start-up-Umfeld zuletzt deutlich intensiviert und betreiben im Silicon Valley, in Berlin und in Shanghai und bald auch bei uns am Unternehmenssitz in Lippstadt Inkubatoren und Gründungszentren. Hier geht es uns vor allem darum, neue Branchen- und Technologietrends, die nicht zwangsweise in unmittelbarer Nähe zu unserem Kerngeschäft stehen, noch früher aufspüren zu können.
Ist für Sie die Digitalisierung ein Innovationstreiber und Innovationsbeschleuniger?
Zweifelsohne ist die Digitalisierung eine der wichtigsten Antriebskräfte, die den derzeitigen Branchenwandel in der Automobilindustrie bestimmen. Insofern kann man Digitalisierung sicherlich als Innovationsbeschleuniger betrachten. Umso wichtiger wird die strategische Ausrichtung des eigenen Geschäftsmodells. Nur so kann man Chancen und Wachstumspotenziale nutzen, die sich aus der Digitalisierung ergeben. Ich denke, dass wir bei HELLA diesbezüglich einen guten Weg eingeschlagen haben. Um einige Beispiele zu nennen: Wir treiben die Digitalisierung des Lichts maßgeblich voran. So werden Scheinwerfer zunehmend softwarebasiert angesteuert; Lichtverteilungen lassen sich damit je nach Straßenverlauf, Wetter- und Verkehrssituation digital modulieren und neue sicherheitsrelevante Funktionen realisieren. Zweitens arbeiten wir intensiv an Softwarelösungen, die autonome Fahrfunktionen realisieren. So haben wir in diesem Bereich beispielsweise jüngst ein vollkommen neues Geschäftsmodell für Frontkamerasoftwarefunktionen wie Verkehrszeichen- und Fußgängererkennung auf den Markt gebracht. Drittens nutzen wir die Möglichkeiten der Digitalisierung auch zur Optimierung unserer internen Prozesse: Beispielsweise verbessern und beschleunigen digitale Kollaborationsplattformen unsere konzernweite Zusammenarbeit. Und in der Produktion nutzen wir Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, um Prozesse und Qualitätsmanagement zu optimieren.